Wasser für den Volkspark – Wasserturm Jungfernheide (Best of 75/Nr. 74)

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Endlich Arbeit! Hundert Berliner auf dem ehemaligen königlichen Jagdrevier können sich glücklich schätzen, der Arbeitslosigkeit entkommen zu sein. Nach dem Ersten Weltkrieg sind viele der Kriegsheimkehrer erwerbslos, der Wirtschaft geht es nicht gut. Ende 1920 hilft ein Notstandsprogramm. Eines der ersten Projekte: die Errichtung eines 146 Hektar großen Volksparks im Norden von Charlottenburg, wo früher die Hohenzollern gejagt haben und dann die preußisch-deutschen Soldaten Schießen und Exerzieren geübt haben.

Sportplätze, Freibad, Kinderspielplatz, Theater, Wasserturm sind geplant: ein ehrgeiziges Programm. Aber verantwortlich ist der Gartendirektor von Charlottenburg, Erwin Barth, ein unermüdlicher Arbeiter. Fast alle Parks und Plätze im Charlottenburg der Weimarer Republik sind sein Werk. Mehr noch: in ganz Berlin ist er aktiv, er gestaltet zum Beispiel den Mierendorffplatz, den Brixplatz, den Savignyplatz, den Boxhagener Platz, den Volkspark Köpenick, den Volkspark Mariendorf, den Luisenstädtischen Kanal, den Lietzenseepark und vieles mehr. Alles nach dem Motto „Licht, Luft und Sonne“ für alle.

 

Park

Am 27. Mai 1923 wird der Volkspark eröffnet. Der erste neue Volkspark in der Weimarer Republik! Es sind Spiel- und Sportwochen im Bezirk Charlottenburg – und es ist ein „Pre-Opening“. Noch nicht fertig sind die beiden Highlights des Parks: ein Freilufttheater nach antiken Vorbildern. Aber ab 1925 kann die Gustav-Böß-Bühne 2.000 Besucher aufnehmen. Und 1927 ist dann das architektonische Highlight des Parks fertig: Der Wasserturm ist ein expressionistisches Kunstwerk, aus Eisenklinker gebaut, mit skulpturalem Schmuck und einem Kupferdach (Architekt: Walter Helmcke). In Berlin sind viele Wassertürme erhalten, aber die meisten stammen aus der Kaiserzeit. Hier also ein Exemplar der Weimarer Republik. Seine Aufgabe ist alleine die Versorgung des Parks.

 

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@Zeitreisen-Arne Krasting

Leider klappt es mit der Einrichtung eines Cafés am Fuß des Turms nicht mehr, das Geld reicht nicht. Aber heute, fast hundert Jahre später, ist auch dieses Problem gelöst: Der Waldhochseilgarten betreibt einen Sommergarten mit bemerkenswert guter Gastronomie.

Und wer den Turm im Rücken hat und die Allee Richtung Nordwesten folgt, findet noch zwei tierische Zeugnisse der Bauzeit: zwei Bären aus Muschelkalk mit spielenden Kindern, gestaltet vom Künstler Hermann Joachim Pagel, bewachen den Eingang. Und können heute sicher sein, dass kein preußischer Kurfürst sie erlegt.

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Ort: Jungfernheideweg 60, 13629 Berlin (S-Bahn S41, Haltestelle Jungfernheide, dann Bus M21 bis Weltlingerbrücke)

Eröffnung: 1927

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