Es ist der 29. September 1926. Die Halle 2 des Berliner Messegeländes ist noch menschenleer. Nur ein Mann mit leicht zerknittertem Jackett und unübersehbarer Köperfülle schlendert durch die Halle. Es ist Kriminalrat Ernst Gennat, genannt der „Buddha vom Alexanderplatz“. Bewundernd bleibt er stehend vor einer eigenen Erfindung: der neue Spezialwagen „M-Auto“,Bestandteil seiner in diesem Jahr gegründeten Mordkommission.

 

Das erste Mordauto Berlins.

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Kurz darauf öffnen sich die Tore zur „Grossen Polizei-Ausstellung Berlin“. Ein Spektakel, das es vorher noch nicht gegeben hat! Alle Bereiche der Polizeiarbeit werden während der drei Wochen dem geladenen Fachpublikum, national und international vorgestellt. Aber auch Otto Normalverbraucher darf mitschauen! Ein vielfältiges Rahmenprogramm macht jeden Ausstellungstag einzigartig. Die Preußische Polizei präsentierte sich erstmals unter dem uns heute allseits bekannten Motto: Die Polizei – Dein Freund und Helfer!

Nicht, dass Gennat und seine Mitarbeiter diese Werbung nötig hätten. Mit der fast lückenlosen Aufklärungsquote ihrer teilweise spektakulären Mordfälle erregen sie so oder so die Aufmerksamkeit der Berliner und gewinnen diese immer mehr für sich. Trotzdem nutzt Gennat die Gelegenheit, neben seinem Mordwagen auch die neueste Technik und die modernsten Ermittlungsmethoden der Berliner Mordkommission zu präsentieren. Die Daktyloskopie oder seine Methode zur Tatortuntersuchung sind nur zwei Beispiele. Hinzu kamen ausgewählte Originalaufnahmen, Ausstellungsstücke und Modelle von Mordfällen zur. So sicherte sich die neue Mordkommission um Gennat nicht nur größtes Interesse der Besucher, sondern auch die fachliche Bewunderung der Kollegen. Ernst Gennat ist zwar vom Rang „nur“ ein Kriminalrat, aber er bis heute der bekannteste Mann im Dienste der Berliner Polizei! Auch in den Büchern von Volker Kutscher wird der „volle Ernst“ ausgiebig gewürdigt.

(TEXT: Marisa Schulz)